Fördereinrichtung hat unter Geschäftsführer Harry Bauer Erträge gesteigert und Kosten gesenkt. Die Folge: über 30 Prozent mehr Geld für die Athletinnen und Athleten

Am 16. Mai fand im Haus des Sports die halbjährlich stattfindende Vorstandssitzung der Österreichischen Sporthilfe statt. Dabei legte Geschäftsführer Harald Bauer nicht nur eine umfangreiche Präsentation zur aktuellen wirtschaftlichen Lage der österreichischen Fördereinrichtung vor, er stellte auch Vorschläge für weitreichende Anpassungen der Förderrichtlinien vor. Durch die straffe Führung in den vergangenen drei Jahren, die Steigerung der Kosteneffizienz, aber auch die höhere Mittelaufbringung ist es nun möglich, das Förderbudget um rund ein Drittel anzuheben.

„Als ich im Juli 2016 die Geschäftsführung der Sporthilfe übernommen habe, war die finanzielle Ausstattung der Organisation recht knapp“, so Harry Bauer in seiner Replik. „Mein Anspruch und mein klares Ziel war es, die Organisation neu und vor allem richtig zu positionieren und in der Folge nachhaltig auf wirtschaftlich gesunde Beine zu stellen“. Die in diesem kurzen Zeitraum erzeugte positive Dynamik mit langjährigen, aber auch mit zahlreichen neuen Partnern, und das überarbeitete Aktivitätsprogramm haben dazu geführt, dass die Sporthilfe heute über Mittelreserven in der Höhe von über € 700.000,- verfügt und somit neue Maßnahmen finanzieren kann. Bauer: „Ich möchte meinem Team, allen voran meinem Co-Geschäftsführer Hans Leitner, herzlich für den großartigen Einsatz danken, durch den es möglich war, die überaus ambitionierten Ziele zu erreichen.“ So wurde etwa auch die alljährliche Topveranstaltung, die Lotterien Sporthilfe Gala, grundlegend reformiert. Zum Leidwesen mancher langjährigen Stammgäste, aber natürlich im Interesse der Athletinnen und Athleten und damit dem ureigenen Auftrag entsprechend, konnte damit der Erlös der Veranstaltung von 50.000 auf 470.000 Euro nahezu verzehnfacht werden. Geld, das nun wieder in die Sportförderung fließt.

Anhebung des Förderbudgets um rund € 288.000,- bzw. 31 Prozent

Im Lichte dieser erfreulichen Entwicklung hat der Vorstand in seiner Sitzung am 16. Mai auch die Reform der Förderrichtlinie angenommen. Für die absolut Besten in den olympischen Sportarten und Disziplinen (Gold-Förderkader) wird ab Juli der monatliche Betrag von € 800,- auf € 1.000,- angehoben (bei Anstellung im Bundesheer, Polizei-Sport oder Zoll von monatlich € 600,- auf € 750,-). Insgesamt entspricht das nach aktuellen Berechnungen einer jährlichen Erhöhung der Gesamtförderleistung um 288.000,- (31 Prozent) von aktuell € 927.000,- auf € 1.215.000 pro Jahr.

Die Sporthilfe hat in ihren 48 Jahren die Förderrichtlinien stets angepasst; zuletzt 2013. Selbstverständlich erfolgt dies stets in enger Abstimmung mit Expertinnen und Experten von anderen österreichischen Sportfördereinrichtungen. Nach intensiven Beratungen setzte sich die Erkenntnis durch, dass die Festschreibung der Regulative nach rein sportlichen Leistungskriterien nicht mehr zeitgemäß ist, sondern auch der Genderaspekt im Sinne einer Gleichstellung stärker Berücksichtigung finden muss. Neuerungen in den Sporthilfe-Förderrichtlinien wurden immer ausführlich diskutiert, aber dieses Mal hat uns alle das Ausmaß der öffentlichen Diskussion überrascht. Harry Bauer resümiert offen: „Ganz sicher haben wir den gesellschaftlichen Aspekt unterschätzt und unsere Maßstäbe zu sehr – ja ausschließlich – auf die sportliche Leistung beschränkt. Ich freue mich aber, dass wir rasch gemeinsam eine neuerliche Überprüfung und Detailbeurteilung vorschlagen konnten und diese Neuerungen nun umsetzen werden“.

Die Maßnahmen im Detail

Die Altersbeschränkung entfällt (ursprünglicher Beschluss: Alterslimit 40 Jahre).
Bauer: „Die Ansichten zur Altersbeschränkung auf 40 Jahre sind sehr divergierend. Dieser Punkt wurde auch im Vorfeld intensiv diskutiert. Aufgrund des Umstandes, dass ohnehin nur ganz vereinzelt Athleten über 40 Jahren die hohen Leistungskriterien der Sporthilfe erfüllen können, habe ich vorgeschlagen, von einer Altersbeschränkung gänzlich Abstand zu nehmen.“

Gleichstellung von Männern und Frauen (Ausnahmen: Tennis und Eiskunstlauf)
Bauer: „Mit den Ausnahmen Tennis und Eiskunstlauf, wo wir den Regulativen der jeweiligen internationalen und nationalen Fachverbände folgen, die eine Unterscheidung auch in ihren Kriterien vornehmen, stellen wir die Leistungen von Frauen und Männern nun in allen Sportarten gleich.“

In zahlreichen Sportarten führen gute Platzierungen nun wesentlich früher zu höheren Einstufungen. Das ermöglicht neuen Zielgruppen die Sporthilfe-Unterstützung.

– Entfall der bisherigen Viertelregelung (Platzierung innerhalb des ersten Viertels des Teilnehmerfeldes)
– keine Einschränkung auf Mindestweltcupteilnahmen für eine Saisoneinstufung (vorher: mindestens 75 % Teilnahme ab mindestens fünf veranstalteten Weltcups)
– eine Top-8 Platzierung bei Olympischen Spielen berechtigt zu einer Gold-Förderung, unabhängig vom Starterfeld
– jede Paralympics Top-5 Platzierung führt nun zu GOLD, unabhängig vom Starterfeld
– jede Platzierung innerhalb der ersten 50 % bei Olympischen Spielen berechtigt zu einer Silber-Förderung, unabhängig vom Starterfeld
– jede Platzierung innerhalb der ersten 50 % der Paralympics berechtigt zu einer Silber-Förderung, unabhängig vom Starterfeld
– EYOF Top-3 Ergebnis berechtigt zu einer Bronze-Förderung
– Gesamt- oder Disziplinen Top-3 für Ergebnisse der jeweilig zweiten Leistungskategorie (Continentalcup, Europacup, etc.) KANN zu einer Bronze-Förderung führen

Nächster Schritt: Verletztenstatus

Noch in Arbeit ist ein weiterer historischer Schritt: der Verletztenstatus. „Bisher haben alle Athleten, die ihre Leistungen verletzungsbedingt nicht erbringen konnten, die Unterstützung verloren“, so Bauer. „Die Athletinnen und Athleten sollen sich vor allem in schwierigen Zeiten auf uns verlassen können. Wir sind der Meinung, dass der Beitrag zur sozialen Absicherung im Falle einer Verletzung im Folgejahr besonders wertvoll ist.“ Ersten Schätzungen zufolge sind hier mindestens weitere rund € 100.000,- anzusetzen. Eine Umsetzung ist ab 2020 realistisch und ein Vorschlag wird dem Vorstand zeitgerecht zur Begutachtung vorgelegt werden.

Resumee:
„Wir erleben gerade, dass sogar Vermarktungsprofis Schwierigkeiten haben, ihre Veranstaltungsbudgets zu finanzieren. Die nachlassende Bereitschaft, Sponsorships zu übernehmen, erfordert stets kreativen Aktionismus; in diesem Zusammenhang möchte ich meinem Team für die in den letzten drei Jahren gezeigte Performance ein großes Kompliment machen. Ich habe meine Hausaufgaben gemacht und für die nächsten fünf Jahre ein Detailkonzept basierend auf sieben Säulen und rund 50 Einzelmaßnahmen verfasst. Sehr gerne würde ich diese Maßnahmen mit meinem bewährten Mitarbeiterteam weiterhin umsetzen und das so wichtige Jubiläumsjahr 2021, wo die Sporthilfe ihren 50-jährigen Bestand feiern wird, vorbereiten.“